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Klaus Buhl: Ein Schelm, wer dabei böses denkt! - Buhl - BÖRSE ONLINE
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Buhl

Klaus Buhl Ein Schelm, wer dabei böses denkt!

[11:00, 29.01.10]

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Klaus Buhl ist seit über 15 Jahren als Portfoliomanager und Analyst tätig und betreibt u.a. das Portal  kb-assets. Dort erhalten Sie praktische Hinweise über die sinnvolle Kombination von marktneutralen bzw. vermögensverwaltenden Strategien in Abhängigkeit vom jeweiligen Börsenzyklus. „Ich verspreche Ihnen keinen schnellen Reichtum, aber konstante Performance und regelmäßige Erträge in jeder Marktphase. Aber vor allem: Keine Verluste mehr!”


Liebe Leserinnen und Leser,

Der aktuelle Abverkauf hat viele Investoren auf dem falschen Fuß erwischt, die nicht mit einem so starken Anstieg der Volatilität gerechnet haben. Es gibt einige Anzeichen dafür, dass wir in eine Umverteilungsphase geraten, in der die institutionellen Anleger versuchen, ihre Bestände möglichst „günstig“ an uns private zu übergeben!

Keine Frage: Heute, und aus dem Rückspiegel betrachtet, hat es wieder jeder gewusst oder mindestens geahnt. Als ich vergangenen Donnerstag meine hiesige Wochend-Kolumne vorbereitet habe, begann der aktuelle Kursrutsch als relativ laues Lüftchen. Der dann aber folgende dynamische Abverkauf kann getrost als eine faustdicke Überraschung bezeichnet werden, der für die meisten Anleger unangenehme Nebenwirkungen gehabt haben dürfte. Trotzdem hat sich die „launische Diva“ Börse nicht einmal besonders hinterhältig verhalten, sondern einfach nur ihr altbekanntes Verhaltensmuster aufgezeigt. Den Weg zu gehen, der den meisten Anlegern die größten Schmerzen bereitet. Im aktuellen Fall hatten sich viel zu viele Anleger an die geringe Volatilität gewöhnt, haben zu große Positionen gehandelt und diese auch noch unzureichend abgesichert. Per Saldo brachten die vergangenen Tage speziell den am DAX orientierten Anlegern Verluste von etwa 9 Prozent. Sehr auffällig ist die anhaltende relative Schwäche der deutschen Märkte gegen die führenden US-Indizes. Dies ist u.a. deshalb beachtenswert, da die derzeitige Euroschwäche (gegen den US-Dollar) einigen europäischen Exporteuren sogar sehr gut gelegen kommen dürfte.

Kursrutsch mit diffusen Argumenten

Auch heute macht es keinen Sinn, nach den „wahren“ Hintergründen für das Kurs-Gemetzel zu suchen. Denn die Nachrichtenlage ist in etwa so gut oder schlecht, wie sie es auch während der freundlichen Handelstage zuvor war. Auch gute Unternehmensdaten, wie beispielsweise bei  Intel oder  Nokia, werden nach einer sehr kurzen Erholung abrupt verkauft, was natürlich psychologisch sehr negativ zu bewerten ist.

Die gegenwärtige Kursschwäche legt also den Gedanken nahe, dass die abgedroschene Phrase „die Liquidität treibt die Märkte“, nicht mehr zieht und keinen potentiellen Käufer mehr hinter dem Ofen hervorlockt, auf der anderen Seite aber wachsendes Verkaufsvolumen nach sich zieht. Es gibt in der jüngeren Vergangenheit einige gute Beispiele dafür, dass trotz intakten Aufwärtstrends irgendwann die fundamentalen Daten IMMER an Bedeutung gewinnen und die jeweilige Hausse abwürgen. Denken Sie nur an das warnende Beispiel des Neuen Marktes!

Die derzeitige Bedrohung für die Fortsetzung der Hausse sind der schleppende Konsum durch die hohe Arbeitslosigkeit, der schmerzhafte und langwierige Weg der Entschuldung in Kombination einer demnächst drohenden Reduzierung der Liquidität durch die Notenbanken und steigende Zinsen.

Erschwerend kommt hinzu, dass in den ersten Januartagen traditionell frisches Geld in die Märkte fließt, dieses aber aktuell nicht ausreicht, die Kapitalabflüsse zu neutralisieren. Dies ist kein gutes Anzeichen für das beginnende Börsenjahr und könnte der Beleg für eine Umverteilungsphase von starken in die schwachen Hände sein! Diese Befürchtung wird dadurch verstärkt, dass vor wenigen Tagen noch praktisch jede Bank und jede Fondsgesellschaft positiv für die erste und sehr zurückhaltend für die zweite Jahreshälfte eingestellt war. Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Das kann natürlich nicht gut gehen, da dies jeder rationale Anleger antizipieren und die Party vor der Masse verlassen würde. Davon einmal abgesehen, dass kaum eine Analyse, die ohne Entgelt von institutionellen Anlegern veröffentlich wird, aus purer Menschenliebe geschrieben wurde. Die Börse ist und bleibt ein Haifischbecken, in dem die Gewinne der einen durch die Verluste der anderen gespeist werden.


 

© 2010 boerse-online.de

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